Nun beginnt der Frühling. Es wird langsam grün. Die Magnolien blühen. Es ist schon ein paar Wochen her. Doch dieser Spaziergang am vorletzten Tag des Jahres 2025 ist mir noch so gut in Erinnerung, als wenn es gestern gewesen wäre.
Es war kalt, sehr kalt und ich musste etwas im Ortszentrum von Mainaschaff erledigen. Trotz der Kälte entschied ich mich, die knapp zwei Kilometer hin und zurück zu laufen. Dick eingemummelt mit Mütze, Schal und Handschuhen machte ich mich auf den Weg.
Auf dem Rückweg spürte ich auf einmal eine innere Ruhe, Friede. Schritt für Schritt ging ich auf den reifbedeckten Fußweg entlang des Mains weiter. Alle Sinne waren auf einmal äußerst sensibel und sogen die außergewöhnliche Stimmung auf. Nebelschwanden waberten über den Main und die Ufer. Sonnenstrahlen schafften es nur schemenhaft den Nebel zu durchdringen. Die Äste der Bäume waren von Reif und Eis bedeckt. Sie glitzerten zart von der Sonne angestrahlt. Wie aus dem Nichts tauchte die bekannte Eisenbahnbrücke schemenhaft im Nebel auf. Ich war allein unterwegs. Doch dann sah ich gespenstig zwei Personen durch den Nebel auf mich zukommen. „Ob sie auch die Stimmung wahrnehmen wie ich?“ Hellwach ging ich weiter. Schritt für Schritt. Nicht den kürzesten Weg. Die Stimmung hielt mich gefangen. Gefangen ist nicht als richtige Wort. Sie faszinierte mich. Ich fühlte mich frei. Eins, mit mir, dem Fluss, den weiß glitzernden Bäumen, dem Weg, meinen Schritten, meinem Atem. Beseelt von Glück kam ich im warmen Zuhause an. Ich hielt es nicht fest und war einfach nur glücklich, diese Erfahrung gemacht zu haben.
Auch jetzt noch, wenn ich diese Zeilen schreibe, nehme ich diese unbeschreiblichen Gefühle wieder wahr.
Glück!